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BayernNetz Natur-Projekt Schneybachtal


Das BayernNetz Natur-Projekt Schneybachtal ist ein überregional bedeutsames Umsetzungsprojekt im Arten- und Biotopschutz. Es ist als FFH-Gebiet 5832-301 gemeldet. Das Projektgebiet umfasst eine Fläche von etwa 160 ha. Das Schneybachtal liegt ganz im nördlichen Gemeindegebiet der Stadt Lichtenfels. Über ein Glücksspirale-Projekt wurden im Jahr 2002 das Arteninventar ausgewählter Tiergruppen und die vorhandenen Lebensraumtypen erfasst, auf deren Basis ein Rahmenkonzept zu dem geplanten Projekt erstellt wurde. Dieses diente als Antrag für eine Projektförderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds mit dem Landschaftspflegeverband als Projektträger.
Im Scheybachtal sind vor allem Feuchtgebietslebensräume wie Hochstaudenfluren, Großseggenriede und Feuchtwiesen von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung. Diese offenen Lebensraumtypen sind eng verzahnt mit naturnahen Auwaldbereichen im Fließgewässersystem des Schneybachs. Kleinflächige, teils sehr blütenreiche Trockenbereiche kommen als wichtiger ergänzender Biotoptyp den Ansprüchen hochgradig gefährdeter Insektenarten entgegen. Der Wert des Projektgebiets entsteht also aus seinem hohen Strukturreichtum und seinem breiten Lebensraumangebot.
Defizitbereiche befinden sich an den das Tal durchziehenden Fließgewässern, die größtenteils völlig unzugänglich sind und durch Beschattung kaum noch Platz für die Entwicklung beispielsweise von Libellen bieten. Die Stillgewässer im Gebiet sind bis auf wenige (hochwertige) Ausnahmen entweder fischereiwirtschaftlich genutzt oder aufgelassen bzw. bereits völlig verlandet, so dass die vormals hohen Artenzahlen (ABSP Landkreisband) bei Vögeln und Libellen aktuell nicht mehr feststellbar sind. Der früher weitaus offenere Charakter des Tals ist aufgrund aufgelassener Nutzung sowie durch punktuelle Aufforstungen mit nicht standortgerechten Nadelgehölzen (v. a. Fichten) spürbar verloren gegangen. Unter dem Leitbild eines funktionierenden Offenlandkorridors mit einem naturnahen Bachverlauf des Schneybachs als Leitlinie sollte dieser naturschutzfachlich höherwertige Zustand im Rahmen eines Umsetzungsprojektes des Arten- und Biotopschutzprogramms wieder hergestellt werden.
Das aktuell vorhandene Arten- und Biotopinventar hat immer noch qualitativ und quantitativ überregionale bis landesweite Bedeutung. Aber Schutzmaßnahmen müssen nach Einschätzung von Fachleuten relativ kurzfristig einsetzen, um den hohen naturschutzfachlichen Wert zu erhalten und die Lebensraumsituation für die Leit- und Zielarten zu verbessern.
Die Charakterart bei den Tagfaltern ist der Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino, RL 3, gefährdet). Er kommt im gesamten Talraum vor und lebt in den ausgedehnte Hochstaudenfluren. Mit 10 Standorten war 2002 auch die Feuchtgebietsform des Baldrian-Scheckenfalters (Melitaea diamina, RL 3 gefährdet) verbreitet anzutreffen. Ob dies aktuell noch so zutrifft, ist fraglich, denn bei einer Begehung 2006 wurden im Kerngebiet weder Falter und kaum noch Larvalfutterpflanzen (Baldrian) gesehen. Weitere empfindliche Arten sind der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous, RL 3, gefährdet), 2002 noch 5 Standorte, und der Storchschnabel-Bläuling (Polyommatus eumedon, RL 2 stark gefährdet), 2002 noch 3 Fundorte. Letztere ist im Landkreis Lichtenfels sehr selten und kommt sonst nur noch lokal im Kleinziegenfelder Tal vor. Die Raupen entwickeln sich in Brachesäumen mit Sumpf-Storchschnabel.
Schon 2002 war die Situation für die Libellen nicht die beste. Die an Fließgewässer gebundenen Prachtlibellenarten, die Gebänderte und die Blauflügel-Prachtlibelle, war zwar durchaus verbreitet, zeigten aber auch deutliche Lücken vor allem in den stark beschatteten Bachabschnitten. Trotz der zahlreichen Teiche waren naturschutzfachlich Wert gebenden Stillgewässerarten wie die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens, RL 2, stark gefährdet), die Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio, RL 3 gefährdet) das Große und das Kleine Granatauge (Erythromma najas, E. viridulum) mit je nur einen Fundort ausgesprochen selten.
Das Schneybachtal ist zwar als BayernNetz Natur-Projekt offiziell anerkannt, die beantragte Projektförderung über den Bayerischen Naturschutzfonds, über die umfangreiche qualitative Verbesserungen der vorhandenen Kernbiotope und deren Vernetzung möglich gewesen wäre, blieb damals leider versagt.Inzwischen ist das Schneybachtal als Teilgebiet im viel größeren BNN-Projekt "Weidelandschaft Obermain" integriert worden, wodurch auch umfangreiche Grunderwerbsmaßnahmen möglich wurden.


Ansprechpartner


Manfred Rauh

Diplom-Biologe; Geschäftsführung LPV, fachlich zuständig für Maßnahmen nach der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie

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Max Göbel

Geograph (M.Sc.); Beratung und Betreuung der Weidetierhalter, Projektkoordination von Großprojekten im Natur- und Artenschutz, Koordination der Pflege von Ausgleichs- und Ökokontoflächen

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