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Maininsel Unterbrunn


Die Maininsel Unterbrunn stellt mit knapp 11 Hektar Weidefläche das momentan größte zusammenhängende Teilprojekt innerhalb des BNN-Projekts dar.
Bevor es mit der Beweidung losgehen konnte, war ein langer Vorbereitungs- und Abstimmungsprozess erforderlich. Daran beteiligt waren unter anderem das Veterinäramt, das Amt für Landwirtschaft und vor allem das Wasserwirtschaftsamt Kronach, das diese Flächen des Freistaats Bayern stellvertretend verwaltet. Unter deren Regie wurde durch die Rückverlegung des Mains die Insel überhaupt erst geschaffen und naturnah umgestaltet, und somit das ehemalige Kiesabbaugebiet der „Folgenutzung Naturschutz“ zugeführt.
Angeregt wurde die Einführung der Rinderbeweidung von der Unteren Naturschutzbehörde (Bernd Flieger und Andrea Musiol) gemeinsam mit dem Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath bereits während der Beantragung des BNN-Projekts.
Hintergrund war, dass auf der Insel sich die Vegetation, insbesondere die Gehölze, hohe Stauden-und Grasfluren zunehmend ausdehnten und die Anteile mit Rohboden- und niedriger Magerrasenfluren weniger wurden. Ohne gegensteuernde Maßnahmen würde sich langfristig eine Entwicklung zu dichtem Auwald einstellen, was an dieser Stelle naturschutzfachlich nicht das Ziel war. Zielarten wie die Zauneidechse hätten dann das Nachsehen. 
Die Beweidung mit Fleckvieh aus dem Biobetrieb Billinger aus Draisdorf wurde Anfang Mai 2015 im Probebetrieb aufgenommen. Zunächst wurde der Zugangsbereich durch ein Zaunprovisorum versehen. Eingesetzt wurden 4 Mutterkühe mit Kälbern und ein Jungrind, die bis Ende Oktober auf dieser Sommerweide blieben.
Nach der Probebeweidungsphase wurde er nun durch einen professionellen Festzaun ersetzt sowie zusätzliche Einrichtungen (Solarstation und Fangzaunpanels) über Projektmittel angeschafft. Das Beweidungsprojekt wurde zudem unterstützt durch die RV-Bank Bad Staffelstein, die zur Finanzierung der Maßnahme eine zweckgebundene Spende in Höhe von 1250 EUR beisteuerte.
Die Einführung der Rinderbeweidung als extensive Nutzungsform erweist sich als richtiger Schritt in die angestrebte Richtung. Das Entwicklungsziel hin zu einer halboffenen Weidelandschaft mit hoher Strukturvielfalt ist bereits fast erreicht. Zur Biodiversität tragen auch die Hinterlassenschaften der Rinder bei.
Auch dem Zweck der Beobachtungseinrichtungen (Vogelbeobachtungsturm und der kürzlich eingerichtete Pavillonhügel), die zur Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des LIFE-Projekts „Oberes Maintal“ gebaut wurden, kommt diese Entwicklung entgegen. Die ungehemmte Weidensukzession hat sich vor allem an den inneren Uferrändern massiv ausgebreitet, so dass man keinen Einblick mehr auf die Wasserflächen im Inneren der Insel hatte.
Beim Beweidungsstart waren die Gehölze bereits über Äserhöhe gewachsen, so dass hier mit Uferfreistellungen nachgeholfen werden muss. Die jungen Austriebe werden dagegen gern von den Rindern verbissen. Unsere vierbeinigen Landschaftspfleger sind zudem ein „Hingucker“, die als Beobachtungserlebnis die Attraktivität der Aussichtspunkte steigern können. Im Februar 2018 wurden weitere Uferabschnitte freigestellt, so dass bessere Einblicke auf die "Insel des Fleckviehs" möglich sind.
Die ursprünglich angedachte Ganzjahresbeweidung mit Heckrindern wurde im Abstimmungsprozess verworfen. Zum Glück, denn die Insel erwies sich im extrem trockenen Sommer 2015, der den Mainpegel drastisch sinken ließ, als nicht ausbruchsicher. Im Gegensatz zu wilden Heckrinder ließen sich die eher zahmen Fleckvieh-Mutterkühe leichter wieder einfangen. Als Konsequenz wurde aber 2016 ein weiterer Zaun im Bereich der Querungsstelle errichtet.
Mit dem Austausch der Herdentiere verlief die Weidesaison 2017 dann auch weitgehend reibungslos. Leider war das im Mai 2018 nicht mehr so. Weil die Jungrinder nach dem Auftrieb einfach nicht auf der Insel zu halten waren, wurde auf Ziegenbeweidung umgestellt. Seit Anfang Juli übernimmt eine attraktive Herde aus 30 Bunten Deutschen Edelziegen die Landschaftspflegearbeit.

Ansprechpartner


Leonhard Anwander

Diplom-Geograph, stellvertretender Geschäftsführer; Beratung und Betreuung der Weidetierhalter, Projektkoordination von Großprojekten im Natur- und Artenschutz, Koordination der Pflege von Ausgleichs- und Ökokontoflächen

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E-Mail:leonhard.anwander[at]lpvobermain[.]de